„Ein entscheidender Schritt für Unternehmen ist es zu erkennen, dass Mitarbeiter:innengewinnung und -bindung nicht mit der Unterzeichnung eines Vertrags endet“

Selina Schroeter ist Expertin im Bereich Employer Branding und Recruiting für junge Talente und setzte sich die letzten vier Jahre bei Siemens mit der Ansprache der Generation Z auseinander. Nachdem sie die Bedürfnisse junger Menschen aus Unternehmenssicht genau erkannt hatte, wagte sie den Sprung in ein Start-up und arbeitet auch hier an der Mitarbeiterbindung und -haltung. Dieses Interview beleuchtet ihre Einblicke und Erkenntnisse darüber, wie Unternehmen in der heutigen Zeit ein attraktiver Arbeitgeber sein können, der nicht nur junge Menschen anzieht, sondern auch langfristig bindet. UNO INO hat ihr dazu 3 Fragen gestellt.

Frage 1: Was sollten Unternehmen beachten, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und ihre Mitarbeiter:innen zu halten? Und welche Rolle spielt dabei das Thema Nachhaltigkeit?

Selina: Ein entscheidender Schritt für Unternehmen ist es zu erkennen, dass Mitarbeiter:innengewinnung und -bindung nicht mit der Unterzeichnung eines Vertrags endet. Vielmehr geht es darum, die Bechäftigten langfristig zu begeistern und zu halten. Dabei sollte jedes Talent als individuelle Person betrachtet werden, deren persönliche und fachliche Entwicklung gefördert werden sollte. Die klassischen Benefits wie ein Obstkorb reichen schon lange nicht mehr aus, stattdessen müssen klare Karriereperspektiven aufgezeigt werden. Das Thema Nachhaltigkeit spielt beim Employer Branding auch eine entscheidende Rolle. Unternehmen können sich heutzutage nicht mehr aus diesem Thema heraushalten. Es geht dabei nicht nur um die Kommunikation von Nachhaltigkeitszielen, sondern auch um konkrete Taten und Umsetzungsmaßnahmen. Sowohl ökologische als auch soziale Nachhaltigkeit sind von großer Bedeutung, und die jüngere Generation erwartet, dass Unternehmen hierfür Verantwortung übernehmen. Die jüngere Generation fordert eine klare Haltung und gelebte Nachhaltigkeit ein, die in allen Führungsebenen des Unternehmens aktiv angegangen werden muss.

Frage 2: Was ändert sich aktuell auf dem Arbeitsmarkt durch die jüngere Generation?

Selina: Die jüngere Generation hat veränderte Ansprüche an die Unternehmen und klare Vorstellungen von einer gelungenen Arbeitskultur. Sie möchten in Unternehmen arbeiten, die nicht nur auf Profit aus sind, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Welt haben. und sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Das bedeutet, dass Unternehmen sich aktiv für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung einsetzen müssen. Auch Diversität und Geschlechtergerechtigkeit sind Themen, die von der jüngeren Generation stark beachtet und gelebt werden. Unternehmen müssen sich diesen Bedürfnissen und Herausforderungen stellen und ihre Strukturen ganzheitlich überdenken, um junge Talente anzuziehen und halten zu können.

Frage 3: Welche Tipps kannst du Unternehmen für erfolgreiches Employer Branding mit auf den Weg geben?

Selina: Es gibt einige Tipps, die ich Unternehmen für erfolgreiches Employer Branding mit auf den Weg geben kann. Ich nenne mal die für mich wichtigsten drei Empfehlungen für Unternehmen:

  • 1. Handelt jetzt: Wenn Unternehmen sich noch nicht mit Employer Branding oder ihren Nachhaltigkeitsbemühungen auseinandergesetzt haben, ist es wichtig, dass sie erst einmal den Status quo analysieren und überlegen, was bereits in diesem Bereich getan wird und was noch nicht.
  • 2. Schafft Authentizität: Es ist klar, dass ein Unternehmen nicht von heute auf morgen zur „green company“ wird. Viel wichtiger ist es ehrlich, transparent und authentisch zu kommunizieren, welche konkreten Ziele man aktuell schon verfolgt und was man bereits konkret umsetzt und wo man noch Verbesserungspotenzial hat. Gepaart mit einem klaren Commitment sich zu verbessern ist das auf Dauer der erfolgreichste Weg. Ein absolutes No-Go ist es jedoch, große Ziele zu verkünden, aber keine echten Handlungen folgen zu lassen.
  • 3. Nutzt die Stimmen Eurer eigenen Mitarbeiter:innen: Es gibt kein besseres Marketing als die eigenen Beschäftigten zu Wort kommen zu lassen. Manche Unternehmen lassen ihre Mitarbeiter:innen dabei als Corporate Influencer über ihren Arbeitsalltag berichten und sorgen so für ungefilterte, glaubwürdige Einblicke.

Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Employer Branding und Nachhaltigkeit rate ich Unternehmen dazu, dieses Thema ganzheitlich anzugehen und nicht nur ökologische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen. Ziel sollte sein, dass Nachhaltigkeit in allen Unternehmensbereichen gelebt wird und nicht nur auf dem Papier steht. So können Unternehmen durch eine nachhaltige Ausrichtung sowohl für aktuelle Beschäftigte als auch für die jüngere Generation als potenzielle neue attraktiver werden.