Klimabilanzierung oder auch CO2-Bilanzierung wird immer wichtiger – vor allem für Unternehmen. Die Gesetze und Erwartungen der Kundschaft zur Transparenz über erzeugte Emissionen werden immer wieder anspruchsvoller, sowohl in Deutschland als auch international.
Warum das so ist, was genau unter Klimabilanz verstanden wird und wie die Regulatorik aussieht, hat das UNO INO Klimateam in diesem Beitrag zusammengefasst.
Hintergründe: Klimawandel, Kosten und Regulatorik
Der Zusammenhang zwischen CO2e-Emissionen und globaler Erwärmung ist wissenschaftlich gut belegt. Treibhausgase wie CO2, Methan und weitere tragen zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei, da sie die Wärme der Sonne einfangen und so den natürlichen Treibhauseffekt verstärken.
Heute sind wir schon bei +1,28°C Erderwärmung. Diese globale Erwärmung führt zu einer Vielzahl von Veränderungen im Klimasystem. Das wird als Klimawandel bezeichnet. Dazu gehören steigende Durchschnittstemperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und eine Zunahme extremer Wetterereignisse (Überschwemmungen, Dürren, Hurricane usw.).
Diese Veränderungen haben weitreichende Auswirkungen auf menschliche Gesellschaften und die Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, der Wasserversorgung und der Gesundheit der Bevölkerung. Und dies führt zu großen finanziellen Kosten wie Infrastrukturreparaturen, Preiserhöhungen wegen weniger landwirtschaftliche Produktion usw.

Aufgrund dieser hohen Kosten und Klimaauswirkungen erhöhen Regierungen weltweit den Druck auf die Wirtschaft, um die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren. In der Europäischen Union erfolgt dies durch eine Reihe von regulatorischen Maßnahmen:
- Green Deal: Ein politisches Programm, das auf umfassende ökologische Nachhaltigkeit abzielt.
- Fit-for-55: Vorschläge zur Überarbeitung und Aktualisierung der EU-Rechtsvorschriften, um die Emissionen bis 2030 um 55% zu senken.
- Emissionshandelssystem (ETS): Ein marktbasiertes Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen.
In Deutschland werden diese EU-Vorschriften durch nationale Gesetze umgesetzt und verschärft, die darauf abzielen, die Emissionen zu senken und den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu fördern:
- Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): Fördert u. a. mit Innovationsanreizen den Ausbau von erneuerbaren Energien.
- Klimaschutzgesetz: Anhebung der Zielvorgaben für weniger CO2-Emissionen.
Ziel dieser Maßnahmen ist die “Netto Null” (eng. „Net Zero“). ”Netto Null” bezieht sich auf die Klimabilanz der Erde: Diese muss nach Abzügen durch natürliche und künstliche Senken Null betragen. Dies geschieht, indem die eigenen Emissionen durch Dekarbonsierungsmaßnahmen (auch „Reduktionsmaßnahmen“ genannt) reduziert und die restliche unvermeidbare Emissionen hochwertig und transparent kompensiert werden.
CO2-Bilanzierung ist ein entscheidender Aspekt im Kampf gegen den Klimawandel: Es ermöglicht Unternehmen und Regierungen, ihre Treibhausgasemissionen (kurz „CO2e-Emissionen“) zu messen und zu managen.
Was ist Klimabilanzierung?
Das ist eine Berechnung, die den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen wie Methan (CH4) beschreibt, die durch verschiedene Aktivitäten entstehen. Je mehr Ressourcen verbraucht werden, desto schlechter fällt die Klimabilanz aus.
Klimabilanzen können von Personen, Unternehmen, Ländern und Regionen stammen.
Die betriebliche Klimabilanz hilft Unternehmen, ihre Treibhausgase zu verstehen und zu reduzieren. Sie umfasst direkte und indirekte Emissionen (Scope 1, 2 und 3) und berücksichtigt Produktion, Energie, Lieferkette und Mitarbeitermobilität. Außerdem ist sie ein wichtiger Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD.
Die Produkt-Klimabilanz zeigt die Emissionen, die über den Lebenszyklus des Produkts entstehen. Sie berücksichtigt Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport, Nutzung und Entsorgung und ermöglicht Vergleiche zwischen ähnlichen Produkten. Zudem ist sie ein MUSS im Rahmen der CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism).
Landes-Klimabilanzen geben Aufschluss über die Emissionen eines ganzen Landes. Somit sind sie für die Formulierung nationaler Klimaschutzstrategien unerlässlich. Sie umfassen alle Emissionen innerhalb der Landesgrenzen und berücksichtigen dabei Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und Energieproduktion. Die Landes-Klimabilanz wird oft pro Kopf oder im Verhältnis zum BIP angegeben.
Persönliche Klimabilanzen bieten einen Einblick in die Emissionen, die jeder Einzelne verursacht. Sie berücksichtigen Konsum, Mobilität, Wohnen und Ernährung und können stark zwischen Individuen variieren. Menschen können ihre persönliche Klimabilanz mit Hilfe von Online-Rechnern oder Apps berechnen lassen.

Warum ist Klimabilanzierung so wichtig?
Die CO2-Bilanzierung ist unumgänglich im Kampf gegen den Klimawandel: Sie ermöglicht Unternehmen und Regierungen, ihren Treibhausgasausstoß zu messen, zu managen und entsprechend zu reduzieren. Dadurch ist sie ein MUSS, um die Regulatorik und Klimaziele zu erfüllen.
Die Analyse der verschiedenen Klimabilanzen, und besonders die betriebliche Klimabilanz, ist der 1. notwendige Schritt, um zu dekarbonisieren. Sie bildet die Grundlage für eine realistische und effektive Klimastrategie im Unternehmen.
CSRD und Klimabilanz
Für viele Unternehmen ist die Berechnung einer betrieblichen Klimabilanz durch die Einführung der CSRD schon verpflichtend. Die betriebliche Klimabilanz liefert die notwendigen Informationen zu notwendigen ESRS KPIs. Unternehmen müssen ihre Treibhausgasemissionen offenlegen und deren Entwicklung im Zeitverlauf darstellen. Also ist die Klimabilanz ein notwendiger Schritt für den CSRD-Nachhaltigkeitsbericht und sollte mit anderen Berichtselementen abgestimmt sein.
Durch die standardisierte Berichterstattung nach CSRD werden Klimabilanzen verschiedener Unternehmen vergleichbar, was für Investoren, Kunden und andere Stakeholder von Bedeutung ist.
Lust auf Klimabilanzierung bekommen?
Sie möchten sich mit Ihrer betriebliche Klimabilanz auseinandersetzen? Sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen und brauchen Unterstützung?
Sprechen Sie gerne unsere Carbon Accounting Expertinnen Alison Vernaillen (alison.vernaillen@unoino.de) und Annika Deinlein (annika.deinlein@unoino.de) unverbindlich an.